„Wir sind dann mal weg“ hieß es in der letzten Woche gewissermaßen am Paul-Spiegel-Berufskolleg Warendorf. Einen Schultag lang pilgern und dabei Spenden sammeln wollten die etwa 140 Schülerinnen und Schüler und ihre begleitenden Lehrkräfte, überwiegend aus den Bildungsgängen der Beruflichen Gymnasien, der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales und der Berufsfachschule für Sozialwesen. Der Weg: ein historisches westfälisches Teilstück des europäischen Jakobsweg-Netzes. Das Ziel: die Wallfahrtskapelle in Telgte, die jährlich von vielen Tausend Pilgerinnen und Pilgern besucht wird. Aufregung und Vorfreude prägten die Stimmung am Morgen in der Aula. Und nicht wenige beschäftigte die Frage, ob und wie man denn die herausfordernde Strecke von immerhin rund 18 km vom Schulhof bis zur Wallfahrtskirche schaffen würde. Durchhalten war zwar die Parole, aber es ging nicht um Leistungsbeweise um jeden Preis. Im Zentrum stand der Gedanke, sich mit einem Teil der Schulgemeinschaft auf den Weg zu machen, mit dem Handy ganz tief unten im Rucksack verstaut neue Begegnungen zu erleben und ganz bewusst miteinander ins Gespräch zu kommen. Entlang der Strecke zeigte es sich dann, dass es notwendig war, auf die Schritte und aufeinander zu achten, empathisch zu sein und sich bei Bedarf zu unterstützen und zu motivieren.
Verknüpft war dieser Tag der Bewegung und Begegnung mit einem sozialen Anliegen: Jeder Kilometer sollte nicht nur voranbringen, sondern auch Spenden generieren. Im Vorfeld wurden einige lokale Unternehmen und Privatpersonen als zusätzliche Sponsoren gewonnen. Das Geld fließt an das Mundayakam Medical Trust Hospital in Kerala (Südindien) und soll die Arbeit der Kinderstation des Krankenhauses unterstützen. Dafür engagiert sich bereits seit einigen Monaten eine Projektgruppe des Paul-Spiegel-Berufskollegs, die auf Initiative von Sylvia Sahl-Beck, Abteilungsleiterin der beiden beruflichen Gymnasien am Paul-Spiegel-Berufskolleg, gegründet worden ist. Sie hatte auch die Idee zum Pilgergang und Spendenlauf. Mit weiteren Kolleginnen und Kollegen begann eine intensive Vorbereitungsphase, um die Aktion für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicher sowie allen Ordnungsvorgaben entsprechend durchführen zu können. An die Extrapackung Blasenpflaster und Energieriegel musste ebenfalls gedacht werden.
Auch wenn einige Schülerinnen und Schüler die Notbremse ziehen und umkehren mussten (Anknüpfungen an den öffentlichen Nahverkehr gab es reichlich), zog Sylvia Sahl-Beck eine positive Bilanz: „Manchmal geht es gar nicht darum, möglichst schnell ans Ziel zu kommen, sondern darum, was man unterwegs gemeinsam erlebt.“




