Endlich mal „wieder“ was Positives
Foto: Matthias Gerschwitz und Sandra Könning von der AIDS-Hilfe Ahlen
Seit 16 Jahren besucht Matthias Gerschwitz gemeinsam mit Sandra Könning von der AIDS-Hilfe Ahlen das Paul-Spiegel-Berufskolleg. Eine Woche lang sind die beiden an verschiedenen Schulen im Kreis Warendorf unterwegs, um Jugendliche über HIV und AIDS zu informieren. Matthias Gerschwitz (*1959) kommt aus Berlin und berichtet von seinem Leben mit der HIV-Infektion. 2010 veröffentlichte er das Buch „Endlich mal was Positives“ in dem er sehr offen über die Ansteckung, die Diagnose und seinen Umgang mit der Infektion schreibt.
Vor interessierten Schülerinnen und Schülern sprach er im Selbstlernzentrum des Berufskollegs über seine Ansteckung Anfang der 1990er Jahre und seinen Umgang mit der Infektion. Zu Beginn seines Vortrags informierte Gerschwitz über die Geschichte von HIV und AIDS. Dabei erklärte er, wie groß die Angst und Unsicherheit insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren gewesen seien. Anschließend schilderte er sehr persönlich seine eigenen Erfahrungen mit der Infektion, die er auf etwa 1992 datiert.
Gerschwitz betonte die Bedeutung der Eigenverantwortung für die persönliche Gesundheit. Niemand anderes könne für seine Infektion verantwortlich gemacht werden. Er selbst und sein damaliger Sexualpartner hätten sich schützen müssen. Mehrfach zitierte er den Werbespruch aus den 1980er Jahren „Kondom nützt, Kondom schützt“.
Nach einer anstrengenden Arbeitsphase im Jahr 1994 habe er einen ihm unbekannten Arzt in Berlin aufgesucht und bei einer Blutuntersuchung nach einen HIV-Test verlangt. Auch heute noch sei ihm unklar, warum er damals getestet werden wollte. Das Testergebnis sei natürlich niederschmetternd gewesen. Aber er habe gelernt, mit der Infektion umzugehen. Dank medikamentöser Therapie sei er heute unter der Nachweisgrenze des Virus im Blut. Jedes halbe Jahr würde er medizinisch durchgecheckt und sei aus diesem Grund wahrscheinlich gesünder als viele andere Menschen in seinem Alter. Trotz verbesserter medizinischer Möglichkeiten durch die Therapie mit Tabletten, unterstreicht er, dass es wichtig sei, sich vor der Infektion zu schützen. Dem Virus sei es egal, wen es befalle.
Sandra Könning erklärte während der Veranstaltung, wie wichtig eine umfassende Aufklärung über das HI-Virus und andere sexuell übertragbare Krankheiten sei. Gerade in den vergangenen Jahren würden entsprechende Infektionskrankheiten wieder deutlich häufiger auftreten. Deshalb sei es wichtig, Jugendliche frühzeitig über Schutzmöglichkeiten und Risiken zu informieren.

Aufklärungsmaterialien gab es am Info-Stand der AIDS-Hilfe Ahlen
Für das Paul-Spiegel-Berufskolleg hat die langjährige Zusammenarbeit mit der AIDS-Hilfe Ahlen und Matthias Gerschwitz einen hohen Stellenwert, da eine Oberstufenklasse der Fachoberschule Fachrichtung Gesundheit und Soziales traditionell zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember einen Projekttag zum Thema HIV und AIDS organisiert. Dabei setzen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit Themen wie Prävention oder gesellschaftlichen Vorurteilen auseinander.
Sandra Könning und Matthias Gerschwitz haben ihren Besuch für 2027 bereits zugesagt.