Auch in diesem Jahr haben sich die landwirtschaftlichen Oberstufen vom Paul-Spiegel-Berufskolleg Warendorf und Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg Lüdinghausen für eine gemeinsame Abschlussfahrt zusammengetan. Mit ihren Fachlehrkräften aus Pflanzenbau und Tierproduktion reisten 32 Schülerinnen und Schüler ins Emsland Richtung Papenburg.
Auf halber Strecke hat sich die Reisegruppe mit Stefan Teepker an der „Kiek in Box“ an seinem Hähnchenmaststall in Freren getroffen. Stefan Teepker ist Betriebsleiter der Teepker GbR, die 440.000 Hähnchen und über 500 Sauen hält und dazu knapp 700 ha landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet. Die „Kiek in Box“ ist ein Besucherraum, in dem die Haltung der Tiere erklärt und veranschaulicht wird – zudem kann man über zwei große Fenster einen Blick auf die Hähnchen werfen. Die „Kiek in Box“ ist ein Versuch, über maximale Transparenz mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen und jedem vor Ort die Möglichkeit zu bieten, sich selbst ein Bild von der Haltung der Hähnchen zu machen.
Nach einer kurzen Rast an der Hesemanschen Wassermühle ging es weiter auf das Betriebsgelände der Teepker GbR in Handrup. Hier stellte Stefan Teepker den Familienbetrieb und vor allem die Betriebsentwicklung der letzten Jahrzehnte detailliert vor. Dabei sorgten die Vielseitigkeit und das Wachstum dieses Betriebes sowie der Unternehmergeist des Betriebsleiters bei den landwirtschaftlichen Auszubildenden aus dem Münsterland für große Bewunderung. Im Anschluss ging es mit den ackerbauverantwortlichen Mitarbeitern des Betriebes zur Flächenbegehung. Dabei wurden Roggen, Mais, Möhren und Zwiebeln genau unter die Lupe genommen und letzte Tipps für die anstehenden praktischen Abschlussprüfungen eingeholt. Zum Abschluss zeigte Stefan Teepker noch das Betriebsgelände der von ihm gegründeten Maschinengemeinschaft im Dorf. Bei diesem Konzept schließen sich viele landwirtschaftliche Betriebe für die Anschaffung von Schleppern, Maschinen und Anbaugeräten zusammen, um diese dann intern wie extern zu vermieten – so lassen sich die oft unwirtschaftlichen Kosten einer Eigenmechanisierung einsparen.
Am späten Nachmittag rollte der Bus dann Richtung Papenburg und Jugendherberge, wo man den Abend mit Grillen, Spiel und Spaß ausklingen ließ. Nach dem Frühstück ging es am nächsten Tag weiter nach Haren zur Unternehmensgruppe Rothkötter, die in Haren nicht nur eine der größten Hähnchenschlachtanlagen Europas, sondern auch das größte Mischfutterwerk Deutschlands betreibt. Nach einer Vorstellung der Unternehmensgruppe durch Christian Emthaus aus der Geschäftsführung wurden genau diese beiden Betriebsstandorte von den landwirtschaftlichen Azubis besucht. Das Mischfutterwerk beeindruckt neben der schieren Dimension vor allem durch die Anbindung einer eigenen Eisenbahnlinie und eines eigenen Hafenbeckens. So können z.B. Soja aus Brasilien oder Getreide aus Osteuropa für die Weiterverarbeitung direkt ans Werk geliefert werden.
Im fast vollautomatisierten 24/7 Schlachtbetrieb werden bis zu 27.000 Hähnchen pro Stunde geschlachtet und die Schülerinnen und Schüler konnten sich von der Anlieferung der lebenden Hähnchen bis zur Endverarbeitung (z.B. zu mariniertem Grillfleisch) alle Schritte vor Ort anschauen. Im Gegensatz zur Schweinemast ist die Mast von Hähnchen oft von der Brüterei bis hin zum Schlachthof durch ein Unternehmen durchorganisiert und der Landwirt (so auch Stefan Teepker) wird vertraglich ans Unternehmen gebunden. Großer Vorteil für den Landwirt: garantierte Preise und feste Abnahme der Tiere. In den nächsten Jahren wird weiter von einem steigenden pro-Kopf Konsum beim Hähnchenfleisch ausgegangen und der ein oder andere Azubi hat schon überlegt, wo man am elterlichen Betrieb vielleicht noch einen Maststall unterbringen könnte.
Am Nachmittag ging es dann zurück nach Hause. Auf sämtlichen Ebenen eine gelungene Abschlussfahrt für die künftigen Absolventen und Absolventinnen.