Foto: schulübergreifender Chor

Zum 20. Todestag von Paul Spiegel (31.12.1937-30.04.2006) hat in der Aula des Paul-Spiegel-Berufskollegs eine würdevolle Gedenkfeier stattgefunden. Sie erinnerte an das Leben und den Verdienst des Warendorfer Ehrenbürgers und ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie mahnte gleichzeitig zu einem gesellschaftlich verantwortungsvollen Handeln in Gegenwart und Zukunft. Veranstaltet wurde die Feier von der Stadt Warendorf. Etwa 25 geladene Gäste sowie rund 200 Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler aus dem Gymnasium Laurentianum, der Gesamtschule Weiße Rose, dem Mariengymnasium Warendorf und dem Paul-Spiegel-Berufskolleg waren anwesend.

Die weiterführenden Schulen haben bei der Gestaltung der Feier mitgewirkt und bei der Durchführung ganz besondere Akzente gesetzt. Ein großer schulübergreifender Chor (Laurentianum, Gesamtschule Weiße Rose, Mariengymnasium) eröffnete die Veranstaltung und berührte mit der „Ode an die Freude“. Noch einmal begeisterten Beifall gab es zum Abschluss für die Interpretation des Songs „Imagine“. Schülerinnen und Schüler der Höheren Berufsfachschule Wirtschaft und Verwaltung, der Stufe 12 des Beruflichen Gymnasiums Gesundheit und Soziales am Paul-Spiegel-Berufskolleg sowie des Laurentianums präsentierten Beiträge zu seinem Leben und Wirken und lasen aus seinem Buch „Wieder zu Hause?“. Projizierte Großfotos im Hintergrund illustrierten die Vorträge.

In ihren Ansprachen hoben Schulleiter Udo Lakemper, Bürgermeister Peter Horstmann, Ilja Golub vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Münster und Sylvia Löhrmann, Beauftragte des Landes NRW für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, den Auftrag Paul Spiegels hervor, gegen Intoleranz, Hass und Unmenschlichkeit einzustehen.

Das Berufskolleg, sagte Schulleiter Udo Lakemper in seiner Begrüßungsansprache, sehe sich seinem Namensträger gegenüber verpflichtet: „Die Kernforderungen Paul Spiegels, hinzuschauen, sich einzumischen und zu handeln, nehmen wir als sein Vermächtnis an.“ Junge Menschen könnten Brücken bauen. In diversen Projekten und Partnerschaften mit Israel arbeite die Schulgemeinschaft ganz aktiv in diese Richtung.

Bürgermeister Peter Horstmann würdigte Paul Spiegel, der wie seine Familie Verfolgung und Grausamkeit der Nationalsozialisten erfahren musste, aber es dennoch geschafft habe, seine Hand zur Versöhnung auszustrecken. Er habe der Gesellschaft damit ein „unschätzbares Geschenk“ gemacht.

Die Lebendigkeit und Vielfalt des jüdischen Gemeindelebens als Teil des Alltags und der Gegenwart beschrieb Ilja Golub. Er verband dies aber mit dem Hinweis auf die Unsicherheit der Juden und Jüdinnen, trotz wieder aufkeimendem Anti-Semitismus und seinen Anfeindungen den jüdischen Glauben offen zu zeigen. An die Schülerinnen und Schüler gewandt betonte er, wie wichtig es sei, hinzuschauen, nachzufragen und sich mit dem jüdischen Leben zu beschäftigen. Um dazu eine ganz konkrete Gelegenheit zu bieten und ins Gespräch zu kommen, lud er zu einem baldigen Besuch der Synagoge in Münster ein.

Sylvia Löhrmann berichtete von ihren persönlichen Begegnungen mit Paul Spiegel, dessen humane Haltung und besondere Gabe, keine Rache zu empfinden, sie sehr beeindruckt habe. Die Aufgabe aller jungen Menschen sei es, sich im Geist Paul Spiegels gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zu stellen. „Juden und Jüdinnen müssen sichtbar sein und sich sicher fühlen dürfen“, so Sylvia Löhrmann. Sie appellierte an die Schülerinnen und Schüler, die Einladung der jüdischen Gemeinde Münster anzunehmen, denn Vorurteile könnten durch persönliche Begegnung ausgeräumt werden.

Die Schulleitung bedankt sich bei allen, die sich eingebracht und zum Gelingen der Feier beigetragen haben. Ein besonderes Dankeschön geht an Inka Schweers (stellv. Schulleiterin) und die Lehrkräfte Kristina Schmiehusen und Roland Niehues.