Das Bild zeigt von links nach rechts Suliman Alsaid, Jonas Peterburs, Carina Freymuth und Oliver Rutz.

Was sind Vorurteile und woher kommen sie? Kein Mensch ist ohne Vorurteile – egal ob jung oder alt, ob Christ oder Muslim, es gibt keine Gruppe von Menschen, keine Religion oder Nationalität, die wir nicht mit bestimmten unüberprüften Eigenschaften in Verbindung bringen. Ob gewollt oder nicht, wir denken in Klischees. Problematisch ist es, wenn wir unsere vorgefertigten Meinungen nicht hinterfragen und keinen Raum für Individualität lassen.

An dieser Stelle, nämlich bei der Frage, wie wir am besten mit unseren Vorurteilen umgehen, setzte das Projekt „Vorurteile überwinden“ an. Ziel sollten die Stärkung der Interkulturellen Kompetenz sowie die Sensibilisierung füreinander sein. Die teilneh­menden Schülerinnen und Schüler sollten die Erfahrung machen, dass fremde Men­schen und andere Kulturen eine Bereicherung darstellen.

Zu Beginn wurden die Internationale Förderklasse1 (IFK1), bestehend aus Flüchtlin­gen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak sowie die Unterstufe der Zweijährigen Hö­heren Berufsfachschule (HHMU1) getrennt voneinander durch die Fachlehrerin Ro­mina Gonsior vorbereitet, indem in einem ersten Schritt eine Brief­freundschaft zwi­schen beiden Klassen initiiert wurde. Parallel dazu fand die konkrete Projektvorberei­tung in beiden Klassen statt, indem über die Entstehung und die eventuelle eigene Konfrontation mit Vorurteilen gesprochen und über Vorurteile in verschiedenen Berei­chen diskutiert wurde. Danach ging es um die Auseinandersetzung mit den Vorurtei­len, also um die Erfassung der Fragen, die einander gestellt werden müssen, um Vorurteile zu überwinden. „Welchen Stellenwert hat der Islam in eurem Leben?“, „Welche Gedanken hattet ihr, als ihr das erste Mal einen Flüchtling gesehen habt?“, „Praktiziert ihr eure Religion frei­willig?“, „Wie sieht ein normales Wochenende in Deutschland aus?“ Diese und zahl­reiche weitere Fragen wurden gesammelt und ver­schiedenen Bereichen, wie Tradi­tion, Kultur, Religion oder Ausbildung zugeordnet.

Das mit Spannung und Vorfreude erwartete Treffen fand dann kurz nach Abschluss der Vorbereitungen statt: Nach der herz­lichen Begrüßung durch Charlotte Baumhöfer und Kilian Surmann (HHMU1) stellten sich die Lernenden beider Klassen über die Dauer von drei Schulstunden ge­duldig und in offener Atmosphäre allen Fragen. Alle Schülerinnen und Schüler stell­ten fest, dass in anderen Kulturkreisen einiges anders ist, beispielsweise das Zeleb­rieren von Hochzeiten. Dennoch gibt es vieles, das uns alle miteinander verbindet, wie den Wunsch, ohne Angst und frei von Sorge ein un­beschwertes Leben zu führen oder individuelle berufliche und private Ziele zu ver­wirklichen. Eine Schülerin formu­lierte zum Abschluss gelun­gen: „Das Treffen war gut, weil wir heute viel Neues ge­lernt haben. Zukünftig werde ich mir genau überlegen, ob ich mit meiner Meinung richtig liege.“

In regem Austausch Mustafa Raafat und Sara Alnouri mit zwei Schülerinnen der HHMU1.