Abitur am Wirtschaftsgymnasium
„Entscheidung nie bereut“
Informationsabend am Paul-Spiegel-Berufskolleg
Warendorf Paul Buller aus Warendorf hat im Jahre 2006 am Wirtschaftsgymnasium
des Paul-Spiegel-Berufskollegs sein Abitur bestanden. Nach dem Zivildienst am
Josephs-Hospital Warendorf hat er zum Wintersemester 2007 das Studium der
“Logistik” an der TU Dortmund aufgenommen. Dieser Studiengang ist dort an der
Fakultät Maschinenbau angesiedelt und interdisziplinär aufgebaut. Neben der reinen
Logistiklehre werden unter anderem Grundlagen aus den Bereichen des Maschinenbaus,
der Betriebswirtschaftslehre sowie der Mathematik/Informatik unterrichtet.
1. Frage: Herr Buller, wie geht es Ihnen? Was machen Sie zurzeit?
Mir geht es sehr gut. Seit Oktober 2013 schreibe ich meine Masterarbeit an der
Stellenbosch University, Südafrika. Diese Möglichkeit wurde mir durch eine
Kooperation meiner Universität mit dem Department of Industrial Engineering in
Stellenbosch angeboten. Der Ort liegt am Stadtrand zu Kapstadt und ist eine klassische
Studentenstadt mit einer der führenden Universitäten Afrikas.
2. Frage: Was hat Sie bewogen, Ihr Abitur an einem Berufskolleg zu machen, und nicht
an einem traditionellen Gymnasium?
Nach sechs Jahren an einem Gymnasium wurde es Zeit für einen Wechsel, um etwas
Neues auszuprobieren. Der Entschluss zu wechseln ist dennoch relativ spät in der
zehnten Klasse gefallen. Ausschlaggebend war definitiv der wirtschaftliche
Schwerpunkt des Bildungsgangs. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch lange nicht, was
ich studieren würde, allerdings war schon klar, dass es irgendetwas mit Wirtschaft zu
tun haben sollte. Ich habe dann den Informationstag des Berufskollegs besucht, wo
mich Gespräche mit Oberstufenschülern sowie das gesamte Erscheinungsbild der
Schule überzeugten.
3. Frage: Haben Sie Ihre Entscheidung bereits bereut?
Nein, zu keinem Zeitpunkt. Ich bin immer noch überzeugt, dass es die richtige
Entscheidung war. In meinem Studium gibt es viele Wirtschaftsmodule. Allerdings
werden Themen generell in den Vorlesungen sehr schnell abgearbeitet. Durch die reine
Lehre an der Universtiät hätte ich beispielsweise Themen aus den Bereichen
Bilanzierung und Rechnungswesen nicht so verinnerlichen können. Das vorhandene
Grundverständnis für viele Vorgänge mussten sich andere Kommilitonen erst mühsam
erarbeiten.
Zudem war in der Stufe ein toller Zusammenhalt, sodass bis heute noch ein enger
Kontakt zu den meisten Mitschülern besteht.
4. Frage: Sie haben oder hatten doch sicher eine Menge Kontakte zu anderen jungen
Leuten, die ihr Abitur an einem “klassischen” Gymnasium gemacht haben. Wo
sehen Sie die Gemeinsamkeiten, vor allem aber die Unterschiede im “Charakter”
des Wirtschaftgymnasiums gegenüber den “klassischen” gymnasialen Oberstufen?
Einer der auffälligsten Unterschiede ist das Klassensystem im Vergleich zum
Kurssystem an klassischen Gymnasien. Trotz der Trennung in einigen Fächern waren
unsere beiden Klassen spätestens in den Pausen wieder vereint. In Fächern wie Sport
führte es auch dazu, dass die Schwerpunkte der Kurse nach den Interessen der Schülern
gebildet weden konnten und nicht nach den Klassen. Durch das Klassensystem war der
eigene Stundenplan komptakter und man hatte nur eine geringe Anzahl an Freistunden.
Schließlich ist die Anzahl der Schüler überschaubar, was dazu beiträgt, dass man alle
Mitschülerinnen und Mitschüler mehr oder weniger gut kennt. Es geht somit eher ein
wenig familiär zu. Dies führt auch zu einer der Oberstufe angemessenen individuellen
Betreuung der Schüler durch die Lehrer
6. Frage: Ist das Abitur am Wirtschaftsgymnasium nicht eher nur etwas für jemanden,
der wie Sie einen Beruf oder ein Studium im Bereich Wirtschaft anstrebt?
Wenn man sich den Werdegang einiger ehemaliger Mitschüler ansieht, kann man dies
definitiv verneinen. Allgemein halte ich es für wichtig, dass jeder auch in
wirtschaftlichen Themengebieten ausgebildet wird.
7. Frage: Was raten Sie Schülerinnen und Schülern in der Klasse 9 bzw. 10, die zurzeit
überlegen, an welcher Schule sie ihr Abitur machen wollen?
Generell ist es natürlich gemütlicher, an einer Schule das Abitur zu machen, die man
schon gut kennt. Allerdings ist es auch immer bereichernd, aus bekannten Strukturen
auszubrechen und etwas Neues zu probieren. Letztlich entscheidend sind die Inhalte
des neuen Bildungsganges sowie die Gespräche mit Schülerinnen und Schülern der
eventuell neuen Schule. Aber auch der erste Eindruck dieser Schule ist wichtig.
Bildunterschrift: Freundschaft geschlossen. Paul Buller erholt sich während eines Ausflugs in die
Umgebung Kapstadts (Südafrika) von den „Strapazen“ der Masterarbeit.