Kritisch bleiben und auf Kompetenzen vertrauen

Kritisch bleiben und auf Kompetenzen vertrauen

Feierlich verabschiedet wurden 232 Absolventinnen und Absolventen des Paul-Spiegel-Berufskollegs Warendorf. Sie haben in der Höheren Berufsfachschule (Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung/ Elektrotechnik), der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales sowie der Fachschule für Sozialwesen (Staatlich anerkannte/r Erzieher/in) ihre Abschlussprüfungen bestanden. Sie erhielten je nach Bildungsgang ihre Zeugnisse der schulischen oder vollen Fachhochschulreife und des Fachschulexamens.

Schulleiter Udo Lakemper lud in seiner Ansprache dazu ein, individuell zurückzublicken auf den Beginn der Bildungslaufbahn am Paul-Spiegel-Berufskolleg und sich zu fragen, welche Wünsche und Ziele sich erfüllt haben. Antworten auf Fragen, die die Zukunft betreffen, könne man sich naturgemäß nicht geben. „Aber Sie haben wichtige Policen als Absicherung gegen vielleicht auch unangenehme Überraschungen in der Tasche“, so Udo Lakemper, „nämlich eine zukunftsfähige Ausbildung und personale wie fachliche Kompetenzen, sich auf neue Aufgaben einzustellen und mögliche Hindernisse zu überwinden.“ Er appellierte, eine aktive Rolle bei der Gestaltung der weiteren beruflichen Laufbahn einzunehmen und den „Qualifizierungsmotor“ nicht abzustellen. Im Hinblick auf die Rolle als Mitglieder der Gesellschaft forderte der Schulleiter auf, eine positiv-kritische Haltung einzunehmen, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu handeln und vermeintliche, insbesondere populistische Wahrheiten zu hinterfragen.

Stellvertretend für die Lehrerschaft gratulierte Michael Stählker (Abteilungsleitung Höhere Berufsfachschule Elektrotechnik) zu den erreichten Abschlüssen. Er verknüpfte einen Abriss aktueller Diskussionen über Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Klimawandel und Energiewende mit der Bitte an die Absolventinnen und Absolventen, ihre Beiträge auf diesen Gebieten zu leisten. Michael Stählker war sich sicher: „Sie werden der Welt Ihren Stempel aufdrücken und man wird über Sie lesen.“

Für die Schülerschaft sprachen Matthias Klosterkamp, Celine Andree und Jule Gläser. Sie dankten Lehrkräften und Eltern für die gewährte Unterstützung. Und die Zuhörerschaft erfuhr auch noch, dass man doch manchmal ganz schön viel Geduld mit den Lehrerinnen und Lehrern hätte haben müssen. Unter großem Applaus holten sich die jeweils besten drei Absolventinnen und Absolventen jedes Bildungsgangs ihre Zeugnisse mit Einser-Notendurchschnitt auf der Bühne ab. Dies beschloss den gemeinsamen Teil der Abschlussfeier, deren Programmteile von den Songs der Sassenberger Gruppe diebesucher (Lene Stählker, Can Denis, Nathaniel Pelster) musikalisch verbunden wurden.

Vollkorn schmeckt! – Besichtigung bei Cibaria und der Hafenkäserei

Vollkorn schmeckt! – Besichtigung bei Cibaria und der Hafenkäserei

In der Hafenkäserei (hinten: Sophie Luchtefeld, Tim Schönhofen, Nicole Limkin, Fatma Dimik, Beate Reiter, Franziska Rieger, Anna Springer; vorne: Pascal Meßmaker, Pia Kowalski, Natalie Busch)

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse BEU (Berufsfachschule Ernährungs- und Versorgungsmanagement, Typ 1) trafen sich mit den Klassenlehrerinnen Beate Reiter und Anna Springer in Münster am Hauptbahnhof. Außerdem wurde die Gruppe von zwei Praxissemesterstudentinnen begleitet, die aktuell erste Unterrichtserfahrungen im Bereich Ernährung/Hauswirtschaft am Paul-Spiegel-Berufskolleg in Warendorf sammeln.

Vom Hauptbahnhof aus ging es dann zu Fuß in Richtung Vollkornbäckerei Cibaria an der Bremer Straße. Die Bäckermeisterin Ute Kaulitz nahm die Klasse dort in Empfang und führte die Gruppe im Rahmen der Betriebsbesichtigung durch die Räumlichkeiten: Mühle, Teigbereitung und Aufarbeitung, Ofen sowie Konditorei. Die Schülerinnen und Schüler konnten anhand der ausführlichen Erläuterungen durch Ute Kaulitz einen umfassenden Einblick in die einzelnen Schritte der Backwarenherstellung und in das Berufsbild der Bäckerin/ des Bäckers gewinnen. Im Anschluss an den Rundgang fand dann eine Verkostung ausgewählter Vollkornprodukte statt – die Schülerinnen und Schüler waren begeistert: „Vollkorn“ ist gesund und schmeckt!

In der Mühle mit Bäckermeisterin Ute Kaulitz (Der Klick auf ein Foto öffnet die Galerie)

Ein weiterer Programmpunkt des Tages war die Besichtigung der Hafenkäserei, eine Schaukäserei direkt am Kreativkai gelegen. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler einige Schritte der Käseproduktion „live“ verfolgen und einen Blick in die riesigen Lagerräume, die bis zur Decke mit Käserädern gefüllt waren, werfen. Im Rahmen eines Vortrags und anhand einer kleinen Käseausstellung wurden interessante Informationen zur Herstellung und Käsepflege vermittelt. Und natürlich durfte die Klasse den leckeren Käse auch probieren!

Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich in beiden Betrieben sehr interessiert, stellten Fragen und nutzen die Chance ausgewählte Arbeitsschritte selbst auszuprobieren. Das Fazit am Ende der Veranstaltung fiel entsprechend positiv aus.

In der Hafenkäserei (Der Klick auf ein Foto öffnet die Galerie)

 

Studienfahrt der Berufspraktikanten mit praxisnahen Workshop

Studienfahrt der Berufspraktikanten mit praxisnahen Workshop

Die beiden Klassen der BerufspraktikantInnen in der Erzieherausbildung mit einer der betreuenden Lehrkräfte, Ludger Tünnißen (ganz oben rechts).

Für die beiden Klassen der Berufspraktikanten und -praktikantinnen der Fachschule für Sozialwesen des Paul-Spiegel-Berufskollegs ging es drei Tage auf Studienfahrt nach Bielefeld. Die angehenden Erzieher und Erzieherinnen arbeiteten in den praxisnahen Workshops intensiv zu den Themen “Konfliktgespräche führen” sowie “Interkulturelle Kommunikation”. Hierbei wurden unter anderem spielerisch Prozesse gesellschaftlicher Ausgrenzung erfahrbar und konkrete Hilfestellung für Betroffene erarbeitet. Die Referenten der Tagungsstätte „Haus Neuland“ konnten auch in diesem Jahr wieder überzeugen. So stellte die Studierende Anna Weritz zusammenfassend fest: „Es waren drei sehr interessante, vielseitige, lustige und für die Praxis echt hilfreiche Tage!“

Obergerichtsvollzieherin beantwortet Fragen angehender Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten

Obergerichtsvollzieherin beantwortet Fragen angehender Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten

Obergerichtsvollzieherin Annette Averbeck mit den Schülerinnen der Oberstufe der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten

Annette Averbeck, Obergerichtsvollzieherin am Amtsgericht Warendorf, folgte einer Einladung der Oberstufe des Bildungsgangs der Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten am Paul-Spiegel-Berufskolleg Warendorf zu einem Expertengespräch. Sie stand den Auszubildenden zu fachlichen Themen der Zwangsvollstreckung und auch zu ihrem spannenden und vielfältigen beruflichen Alltag Rede und Antwort. Direkt zu Beginn des Gesprächs stellte sie klar, dass hinter jedem Schuldner und jedem Zwangsvollstreckungsmandat immer ein menschliches Schicksal stehe. Jeder könne aus verschiedenen Gründen in diese Situation geraten, einen typischen Schuldner gebe es somit nicht. Es sei wichtig, dass neben einer für den Gläubiger erfolgreichen Pfändung vor allem immer auf eine für alle Beteiligten vertretbare Lösung hingearbeitet werde.

Durch ihre Erfahrungsberichte aus dem Berufsleben einer Gerichtsvollzieherin ge­lang es ihr, die anspruchsvolle rechtliche Materie verständlich und lebensnah zu ver­mitteln. Sowohl die Schülerinnen als auch die Fachlehrkräfte Romina Gonsior und Axel Schmidt freuten sich über die Bereitschaft der Expertin zum Gespräch. Eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis führt zu mehr Transparenz der oftmals komplexen, anspruchsvollen Themen des theoretischen Fachunterrichts und erhöht den im Lehrplan geforderten Berufsbezug. Annette Averbeck lobte die Klasse für ihr hohes Interesse am Thema und ermutigte die Schülerinnen für ihre weitere berufliche Zukunft.

Nicht nur für die Schule, sondern für das Leben lernen – Betriebspraktikum der Internationalen Förderklassen

Nicht nur für die Schule, sondern für das Leben lernen – Betriebspraktikum der Internationalen Förderklassen

Khanu Jimo durfte im Haarstudio My Look in Warendorf praktische Erfahrungen sammeln

Um den wirklichen Berufsalltag kennenzulernen, reicht es nicht, die Nase in ein Buch zu stecken. Aus diesem Grund blieben im Mai 2019 zwei Klassenräume im Paul-Spiegel-Berufskolleg leer: Die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förder­klassen sammelten drei Wochen lang berufliche Erfahrungen in lokalen Unternehmen unterschiedlicher Branchen. Das Spektrum der gewählten Berufsfelder spiegelt dabei die vielfältigen Interessen der Lernenden wieder: Vom Kindergarten bis zur Seniorenpflege, vom Friseursalon bis zum Vollsortimenter reichten die Praktikumsbetriebe. Eine Praxis für Allgemeinmedizin oder das Universitätsklinikum Münster waren ebenso vertreten wie soziale Einrichtungen oder Unternehmen des Einzelhandels und der Gastronomie.

Nach der Rückkehr in die Schule sind alle Schülerinnen und Schüler nicht nur um Praxis- bzw. Berufserfahrung reicher, sondern auch um ein Stück Lebenserfahrung. Die Lernenden äußerten sich mehrheitlich positiv bis begeistert. Das Praktikum hat bei einigen dazu geführt, einen Berufswunsch zu festigen oder sogar einen Ausbildungsplatz zu ergattern, wie der Schüler Wasf Alali berichtet und nun sehr motiviert in seine Zukunft blickt. Einigen fiel der Abschied und die Rückkehr in die Schule schwer, weil Kontakte geknüpft und Freundschaften entstanden sind, so die Schülerin Kinza Rizvi. Sie hat ihr Praktikum im Universitätsklinikum Münster absolviert und durfte ganz nah am Patienten arbeiten. Kinza ist sich hinsichtlich ihres Berufswunsch weiterhin ganz sicher: Sie möchte Ärztin werden.

Die Frage nach der Berufswahl oder der weiteren schulischen Laufbahn ist für viele Jugendliche ein heikles Thema, denn hier gilt es, eine Entscheidung zu treffen, welche die ganze Zukunft beeinflusst. Mit dem Fokus auf die Berufsfindung und einen möglichen und gelingenden Übergang in Ausbildung werden die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklassen von einem Team aus Lehrerinnen und Lehrern und der Schulsozialarbeit eng betreut. Sie lernen wöchentlich im Rahmen des Faches Berufsorientierung das deutsche Ausbildungssystem, die damit verbundenen Rechte und Pflichten und verschiedene Berufsbilder kennen. Dies alles unterscheidet sich zum Teil sehr von den Strukturen ihrer Heimatländer. Da es aber zwischen theoretischer Aneignung sowie persönlicher und praktischer Erfahrung einen Unterschied gibt, ist ein dreiwöchiges Betriebspraktikum wesentlicher und verpflichtender Bestandteil der Internationalen Förderklassen des Paul-Spiegel-Berufskollegs Warendorf.