Corona kann sie nicht aufhalten

Corona kann sie nicht aufhalten

Freuen sich über die erhaltene Berechtigung (vorne): Ezzeddin Alamin, Exaucé Ayassa, Yosief Mulugeta; hinten (v.l.n.r.): Klassenlehrer Matthias Ruch, Schulleiter Udo Lakemper, Englisch-Lehrer Moritz Wehmschulte, Abteilungsleiterin Carolin Herbst, Deutsch-Lehrerin Insa Busch

Corona, verordnete Schulschließung, Distance Learning – all das kann Exaucé Ayassa, Ezzeddin Alamin und Yosief Mulugeta nicht aufhalten. Die Absolventin und die Absolventen der Internationalen Förderklasse haben in diesem Jahr nicht nur erfolgreich den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erworben, sondern sie haben zusätzlich auch die „Berechtigung zum Besuch eines weiterführenden Bildungsgangs“ erhalten. Diese wird für diejenigen Schülerinnen und Schüler ausgesprochen, die von den Unterrichtenden der Klasse als besonders leistungsstark beurteilt werden. „Eine große Chance, bedeutet die Berechtigung für unsere Schülerinnen und Schüler doch die Möglichkeit, ein Schuljahr überspringen zu können und damit schneller an ihr Ziel zu kommen.“, so Schulleiter Udo Lakemper.

Im System „Berufskolleg“ stellt der Erhalt eines solchen Zertifikats eine Besonderheit dar und ist gerade für diejenigen neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler attraktiv, die zwar oftmals keine Zeugnisse aus ihren Heimatländern vorlegen können, aber durch sehr gute Leistungen auffallen. Und zu diesem Erfolg gratulieren natürlich alle Lehrerinnen und Lehrer der Abteilung Internationalen Förderklassen: „Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die schulische und berufliche Zukunft!“

Fachhochschulreife und Fachschulexamen trotzdem in der Tasche

Fachhochschulreife und Fachschulexamen trotzdem in der Tasche

Es gratulieren stellvertretend für alle herzlich aus der Ferne: (v.l.n.r.) Michael Stählker (Abteilungsleitung Höhere Berufsfachschule Elektrotechnik), Udo Lakemper (Schulleiter), Inka Schweers (stellv. Schulleiterin) und Arnold Kottenstedde (Abteilungsleitung Fachoberschule Soziales und Gesundheit).

In der Höheren Berufsfachschule (Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung/ Elektrotechnik), der Fachoberschule für Gesundheit und Soziales sowie der Fachschule für Sozialwesen (Staatlich anerkannte/r Erzieher/in) am Paul-Spiegel-Berufskolleg Warendorf haben 169 Schülerinnen und Schüler ihre Abschlussprüfungen bestanden. Sie erhalten je nach Bildungsgang und Voraussetzungen ihre Zeugnisse der schulischen oder vollen Fachhochschulreife bzw. des Fachschulexamens.

Eine gemeinsame Entlassfeier für alle Schülerinnen und Schüler bzw. Studierende, ihre Eltern und Freunde, mit Grußworten, Musik und einem Glas Sekt konnte in diesem Corona-gebeutelten Schuljahr nicht durchgeführt werden – für alle ein schmerzlicher Verzicht. Und als sei das noch nicht genug, vereitelte nun auch die kurzfristig verordnete erneute Schließung der Schulen und Kitas im Kreis Warendorf die alternativ geplanten Verabschiedungsformen. Kein verbaler Rückblick auf die Höhen und Tiefen der Schulzeit am Berufskolleg, keine explizite Würdigung der bewältigten Anstrengungen und errungenen Kompetenzen, kein Blick in strahlende Gesichter.

Den Klassenlehrerinnen und -lehrern, die am Donnerstag die Zeugnisse in kleinen Gruppen überreichen wollten, blieb nur noch der Gang in den Verwaltungstrakt, um die Dokumente zum Versand oder zur persönlichen Abholung zu hinterlegen. Eine umfängliche zusätzliche Aufgabe, die von den Mitarbeiterinnen des Sekretariats zu stemmen ist, zumal nicht nur Abschlusszeugnisse zu vergeben sind. Das Sekretariatsfenster zum Schulhof wurde kurzerhand zur Ausgabetheke umfunktioniert. Schulleitung, Abteilungsleitungen, Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer wünschen alles Gute für den weiteren beruflichen und privaten Lebensweg.

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte feiern Berufsabschluss

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte feiern Berufsabschluss

Auf dem Bild von links nach rechts: Rechtsanwalt und Notar Peter Reeken, Schulleiter Udo Lakemper, Aylin Karaarslan, Rüya Pausewang, Aleyna Bak, Klassenlehrer Axel Schmidt, Anna Bäumer, Sabrina Eckermann, Lehrerin Romina Gonsior, Michelle Boron, Rebekka Üre

Am Paul-Spiegel-Berufskolleg in Warendorf freuten sich acht Auszubildende des Bildungsgangs Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte über ihre erfolgreich abgelegte Abschlussprüfung und den Berufsschulabschluss. Trotz der besonderen Bedingungen, unter denen die Prüfungen in diesem Jahr stattgefunden haben, bewiesen sie einen kühlen Kopf und meisterten auch den mündlichen Teil der Prüfung mit Bravour.

Trotz Corona: Neue Erfahrungen in der Arbeitswelt und eine Ahnung vom Lernen im Studium gewonnen

Trotz Corona: Neue Erfahrungen in der Arbeitswelt und eine Ahnung vom Lernen im Studium gewonnen

Justus Leve weiß jetzt mehr über das Berufsfeld Steuerberatung.

Ein ungewöhnliches Schuljahr unter dem Einfluss der Corona-Pandemie geht nun auch für die Schülerinnen und Schüler der Unterstufenklassen der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung am Paul-Spiegel-Berufskolleg zu Ende. Sie haben ihren Unterricht im zweiten Halbjahr zu einem großen Teil in einer Mischform aus Arbeiten über die digitale Lernplattform der Schule, E-Mail-Kommunikation, Videokonferenzen und einer sehr reduzierten Zahl von Präsenzstunden erlebt. Wichtige Fächerthemen mussten trotz der Umstände fortgeführt und dabei auf viel eigenständigere Weise erarbeitet werden als es der „normale Unterricht“ üblicherweise fordert. Eine bis dahin einmalige Situation in den Lernbiographien aller Schülerinnen und Schüler.

Die individuellen Voraussetzungen für das Lernen unter diesen Bedingungen – das häusliche Lernumfeld, die vorhandene Ausstattung mit Hard- und Software, aber auch der persönliche Lerntypus – waren und sind sehr unterschiedlich. Die Erfahrungen mit dieser Zeit decken ein ebenso vielfältiges Spektrum ab, von: „Ich kann besser in der Schule lernen, wenn ich den Lehrer ansprechen kann und er mir etwas erklärt.“ bis: „Ich bin sehr gut zurechtgekommen damit, mir den Tag selbst einzuteilen und die Aufgaben für mich alleine zu machen.“ Ein anderer Schüler formuliert sein persönliches Fazit so: „Man kann sich jetzt ein bisschen besser vorstellen, wie es ist, später einmal an einer Fachhochschule zu studieren, wo man auch selbstständiger lernen muss.“

Kurz bevor das Berufskolleg am 16. März schließen musste, hatten die Schülerinnen und Schüler der Unterstufen glücklicherweise noch ihr verpflichtendes Betriebspraktikum absolvieren können und waren – wenn auch nur für kurze Zeit – mit neuen Erfahrungen aus der Arbeitswelt in den Unterricht zurückgekehrt. Im ersten Schulhalbjahr hatte viel Eigeninitiative aufgebracht werden müssen, um den persönlichen Neigungen entsprechend bei Banken, Versicherungen, Industrie-, Groß- und Außenhandels- sowie Einzelhandelsbetrieben, öffentlichen Verwaltungen, Rechtsanwälten und Steuerberatern einen Praktikumsplatz zu finden. Dass hierfür über 120 Praktikumsplätze überwiegend im Kreis Warendorf, aber auch darüber hinaus in den Räumen Münster, Oelde, Beckum, Osnabrück, Gütersloh und Dortmund gewonnen wurden, geht auf die große Bereitschaft der ansässigen Unternehmen, Behörden und Einrichtungen zurück, die Möglichkeit zur Selbsterprobung in der beruflichen Praxis zu gewähren.

Am Berufskolleg erwerben die Schülerinnen und Schüler dieses Bildungsgangs den schulischen Teil der Fachhochschulreife und besuchen Klassen der Profile Betriebswirtschaft, Sport und Gesundheit, Europa und Medien/S.A.P. Durch den Unterricht in den Fächern Betriebswirtschaft, Volks- und Außenwirtschaft, Wirtschaftsrecht und Steuerlehre verfügen sie über erste grundlegende Fachkenntnisse. Im Praktikum erfuhren sie die Bedeutung dieser schulischen Inhalte.

Viele erlebten aus dem Privatleben bekannte Bereiche jetzt einmal aus einer anderen Perspektive. „Ich kenne Fitness-Studios aus der Sicht des Kunden,“ berichtete Lasse Vißing kurz nach seinem Praktikum. „Aber jetzt konnte ich die andere Seite kennenlernen, zum Beispiel wie das Marketing abläuft und worauf es bei der Betreuung von Kunden und Kundinnen ankommt. Man braucht hier nicht nur Wissen über Sport und den Körper, man braucht auch viel Menschenkenntnis.“ Dem stimmte auch Justus Leve sofort zu: „Man denkt vorher gar nicht, wie viel Zwischenmenschliches eine Rolle im Berufsleben spielt.“ Er hat sein Praktikum in bei einer Steuerberatung gemacht und durfte bei Kundengesprächen dabei sein. Besonders beeindruckt hat ihn außerdem eine zweitägige Hospitation bei der Geschäftsführung. „Ich habe im Praktikum auch noch einmal etwas über die verschiedenen Rechtsformen von Betrieben gelernt. Das war auch schon Thema im Unterricht.“ Einiges dazugelernt hat auch Nick Kleigrewe bei einem Versicherungsunternehmen: „Ich hatte vorher keine Ahnung von Versicherungen, jetzt weiß ich mehr.“ Freude und ein wenig Stolz schwingen mit, als er davon erzählt, dass er bei der Entwicklung eines Fragebogens für junge Leute eine ganz große Hilfe war und seine Ideen Anklang fanden: „Ich weiß ja, wie man junge Leute ansprechen muss.“

Wie ein großes Unternehmen mit Kunden aus aller Welt arbeitet, erfuhr Armin Kazic in einem Betrieb der Metallindustrie in Osnabrück. Wie seine Mitschülerinnen und Mitschüler lernt Armin am Berufskolleg Business English und erlebte jetzt ganz konkret, dass fremdsprachliche Kompetenzen bei einem international aufgestellten Unternehmen gefragt sind.

Neben dem Erlernen von berufspraktischen Fertigkeiten bot das Praktikum die Chance, die persönlichen Berufsvorstellungen in der Praxis kritisch zu überprüfen. „Ich weiß jetzt, dass ich gerne für Kundinnen und Kunden Räume gestalten möchte“, berichtet Verena Albers von ihrer Zeit in einem Warendorfer Betrieb. „Ich konnte beobachten, wie man auf Kunden eingeht und deren Wünsche ermittelt. So etwas kann ich mir für meine spätere berufliche Tätigkeit sehr gut vorstellen.“ Und für Jannis Wirth hat sich bestätigt, dass er doch eher der Praktiker ist. Nach einer „spannenden und coolen Zeit“ im Hotel- und Gaststättengewerbe hat sich sein Berufswunsch konkretisiert. Einige Schülerinnen und Schüler haben sich in ihrem Praktikum vielleicht sogar für einen späteren Ausbildungsplatz empfohlen.

Nicht nur kaufmännisches Arbeiten sondern auch gestalterische Tätigkeiten lernte Verena Albers kennen.

Das Abitur in den Zeiten von Corona

Das Abitur in den Zeiten von Corona

Marina Winkelmann aus dem Kunstkurs der Stufe 13 des beruflichen Gymnasiums Gesundheit und Soziales hat das Lernen unter Corona-Bedingungen gezeichnet

„Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ ist der Titel eines Romans des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez. Es geht darin um eine komplizierte Liebesgeschichte und nur am Rand um die Rolle der Krankheit. In den sehr realen und bedrückenden Zeiten von Corona stehen 86 Schülerinnen und Schüler der beiden beruflichen Gymnasien am Paul-Spiegel-Berufskolleg Warendorf alles andere als fiktiv in den Abiturprüfungen. „Es ist ganz bemerkenswert“, findet Abteilungsleiterin Sylvia Sahl-Beck, „wie freundlich und diszipliniert sich alle diesen besonderen Herausforderungen stellen.“ Sie ist gemeinsam mit den Klassenlehrerinnen und -lehrern der fünf Abschlussklassen gerade dabei, die Schülerinnen und Schüler der Stufe in kleinen Gruppen über ihre Zulassung zur Prüfung zu informieren.

Wie blicken die zukünftigen Absolventinnen und Absolventen zurück? Und wie nach vorne? „Eine große Unsicherheit hat diese ganze letzte Phase geprägt“, sagt Lars Roggenkemper, (Klasse GE13B des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit und Soziales). „Wann schreiben wir die Klausuren? Finden die Abiturprüfungen überhaupt statt? Die Diskussion auf der politischen Ebene hat großen Einfluss auf das Lernen zuhause gehabt. Hier hätte ich mir viel früher mehr Klarheit gewünscht.“ Ähnlich sieht es Marie Marx (Klasse GW13A des Beruflichen Gymnasiums für Wirtschaft und Verwaltung): „Das Hin und Her war zu viel. Eigentlich bin ich mental ziemlich stabil, aber auch ich hatte zeitweise das Gefühl, mir steigt alles über den Kopf.“ Neben dem mentalen Stress seien für andere auch die äußeren Lernbedingungen manchmal sehr schwierig gewesen: „Zuhause war es unruhig oder es gab Risikopersonen in der Familie. Und die Kontaktsperren haben es nicht möglich gemacht, sich zu treffen und gemeinsam zu lernen. Sich über Video auszutauschen war möglich, aber das ist nicht dasselbe.“

Clara Hövener (Klasse GE13B) haben die vielen Fake-News zugesetzt, die über das Thema „Abitur ja oder nein?“ in den sozialen Medien kursierten und sie zeitweise von der Konzentration auf den Lernstoff abgehalten haben. „Jetzt freue ich mich richtig auf die Prüfungen!“, sagt sie, „Keine Lust mehr aufs Lernen!“ Sehr zufrieden ist sie mit der Abiturvorbereitung, die direkt nach der Wiederöffnung der Schule vor Ort stattgefunden hat: „Wir konnten unsere Fragen klären.“ „Super“ fand Lars Roggenkemper die Workshops: „Man konnte feststellen, was man kann und wie viel man kann.“ Für Marie Marx hätten die Workshops noch intensiver sein können. Als grundsätzlich „facettenreich und umfassend“ beschreibt Sylvia Sahl-Beck die Workshops: „Wir haben alle Bedarfe bedient und besonders freut mich, dass nahezu alle Schülerinnen und Schüler immer da waren und unsere Angebote angenommen haben.“

Julius Becker (Klasse GW13A) hat sich trotz aller Unsicherheiten von Seiten der Schule gut beraten gefühlt und beim Home-Schooling die digitale Lernplattform der Schule genutzt: „Das hat gut geklappt. Und da wir eine Laptop-Klasse sind, war auch die technische Grundversorgung gegeben.“ Aber ein komisches Gefühl sei es gewesen, von heute auf morgen nicht mehr zur Schule kommen zu können. „Ich hatte mich auch sehr darauf gefreut, nach den Prüfungen auf dem Abi-Ball mit den anderen zu feiern. Und die Abi-Reisepläne stehen jetzt auch infrage“, ergänzt er. Dass die Motto-Tage weggefallen sind, finden Clara und Lars nicht ganz so schlimm. „Zum Feiern ist später auch noch genug Zeit,“ meint Lars – die passenden Infektionsschutzvorgaben natürlich vorausgesetzt. Clara hofft, dass alle Prüfungen gut durchgeführt werden können, insbesondere auch die mündliche, die sie möglichst bei ihrem vertrauten Lehrer ablegen möchte.

Kunstlehrerin Claudia Böhm hat den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 13 Gelegenheit zu einem Kunstprojekt gegeben, das sie während der Abiturworkshops begonnen hatte. Unter ihrer Anleitung und unter Wahrung der Infektionsschutzmaßnahmen nahm eine „soziale Plastik“ Gestalt an: Fotos einzelner Hände von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften auf einem weißen Blatt Papier und mit einer schwarzen Filzstiftlinie übermalt. „Aus den mit Abstand aneinandergereihten Fotos entsteht ein zweidimensionales Kunstwerk, das sowohl für Distanz wie auch für Verbundenheit steht“, erläutert Claudia Böhm. „Ziel des Projekts sollte sein, die gesamte Abiturientia 2020 des Berufskollegs einschließlich der Lehrerinnen und Lehrer miteinander in Verbindung zu bringen und dennoch die Individualität und Vereinzelung des Individuums zu zeigen.“

Die Figuren Florentino und Daza aus „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ finden am Ende der Handlung in Márquez‘ Roman zusammen. Ein Happy-End kann man auch den Schülerinnen und Schülern in diesen Zeiten ganz besonders herzlich wünschen.